brücke

Ende der Geschichte:


Der dritte Mann hörte die beiden zanken, sagte aber nichts und grinste nur. Bis sich schließlich der Sensenmann zu ihm herüber beugte und ihn fragte was er zum schneiden bevorzugen würde. „Für Gemüse benutze ich für gewöhnlich ein Messer.“ antworte der Mann. „Ansonsten schneide ich allein mit meiner Phantasie.“ „Mit Phantasie? lachte da das Schneiderlein auf. So ein Quatsch. Hier, ich habe eine g o l d e n e Schere!“ Aufgeregt rollte das Schneiderlein mit den Augen und verschluckte sich an seinem Milchschaum. Der Gevatter gestikulierte mit seinen dürren Fingern. „Und ich entscheide mit meiner Sense über Leben und Tod!

„Was bist du überhaupt für einer?“
fragte der Gevatter Tod den Mann, während er seine Bionade in seiner Hand kühlte. Der Mann mit dem Kappe lächelte und sprach: „Ich bin ein Cutter“ „Ein Cutter?“ fragten unisono die beiden Gesellen. „Man sagt auch Editor.“ „Man sagt Editor?“ schallte die Frage zurück. „Ich schneide Filme!“ Schweigen.

Der bleiche Tod und das rotbäckige Schneiderlein schauten sich an. „Schön und gut, aber du kannst du mit deiner Kunst ja keine Leute einkleiden, so wie ich.“ stellte das kleine Schneiderlein selbstbewusst fest. „Und du entscheidest auch nicht über Leben und Tod, so wie ich.“ fügte der Gevatter Tod hinzu. „Ihr irrt euch, Freunde“ grinste da der Cutter. „Ich kann nicht nur Leute einkleiden, ich kann sie auch wieder entkleiden, wenn sie mir nackt besser gefallen. Und ich kann nicht nur Leute sterben lassen, sondern auch wieder zum Leben erwecken, wenn es der Story dienlich ist oder ich bringe sie nur zum Schein um. Ich kann alles was ich mache auch wieder rückgängig machen. Apfel z.“

Apfel? Was denn für ein Apfel?! Bist du Adam oder was? Ich dachte du trägst keine Kleider?!" Bei diesen Worten platze dem ansonsten so tapferen Schneiderlein vor vor Wut der akkurate Kragen seines karierten Hemdes, denn manchmal hatte er Probleme seine etwas cholerische Natur im Zaume zu halten. Da er aber nicht genügend Stoff dabei hatte um sich einen neuen zu schneidern, packte er schimpfend seine sieben Sachen und zog von dannen, weiterhin mit der Schere fuchtelnd.

Der Gevatter Tod grummelte nur, trank seine Bionade aus und packte seine schwarze Badehose und sein schwarzes Handtuch in seinen schwarze Kuriertasche. „Ich muss zur Arbeit“ sagte er ebenfalls etwas verstimmt. Bevor er verschwand drehte er sich noch einmal um. „Und du? fragte er den Cutter. Musst du nichts tun heute?“ „Ja du hast recht“ entgegnete dieser. „Ich habe noch jede Menge vor heute, aber ein Weilchen bleib ich noch hier, schließlich habe ich’s nicht weit, Kreuzberg ist ja gleich da vorne.“

Da seufzte der Gevatter Tod „Ach Kreuzberg! Früher als die Mauer noch stand, hat es mir da besser gefallen. Jetzt gibt es Ecken von Berlin die weitaus toter sind.“ Aber wer weiß, vielleicht wird das wieder, wenn der Gentrifizierungsprozess weiter fortgeschritten ist.“ „Ach, weißt du, entgegnete da der Cutter. Spar dir die Mühe, Ich komme dich einfach mal besuchen. Von Kreuzberg aus ist man so schnell überall. Die mathematische Mitte Berlins“ fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu. „liegt übrigens in Kreuzberg und nicht etwa in Mitte.“

„Wirklich?“
fragte der Gevatter Tod.

„Ja wirklich.“